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Kapitel 1: 17. Mai 2006 - DER ELFTE GEBURTSTAG In der Zimmermannstraße war es noch ruhig, aber in Nummer 15 herrschte schon rege Betriebsamkeit. Die Ahlers wohnten schon seit der Geburt ihrer Tochter vor elf Jahren in diesem Haus und warem nun in Geburtstagsvorbereitungen vertieft. Oben in ihren Zimmer schlief Sophie noch tief und fest und träumte von ihrem Geburtstag und ihrer neuen Schule, in die sie bald gehen würde. Sophie's Mutter kam leise nach oben. Sie war ende Dreisig, hatte kurze blonde Haare und ein freundliches Gesicht. Mit einem Ruck öffnete sie die Gardienen vorm Fenster, so das die Sonne herein scheinen konnte. Ihre Tochter, Sophie hatte das Gesicht ihrer Mutter, aber blaue statt brauner Augen, ihre Haare waren länger und sie war nicht ganz so dünn wie sie. Vom Licht geweckt hielt sich den rechten Arm vors Gesicht um nicht geblendet zu werden, während sie sich mit der linken Hand eine Strähne aus dem Gesicht zupfte. »Mama, nicht. Es sind doch Ferien.« Sophie's Mutter lächelte. »Aber Sophie«, sagte sie, »wir haben heute noch viel vor, alles gute zum Geburtstag mein Schatz.« »Danke«, erwiederte Sophie, mit ihren Gedanken endlich im Hier und Jetzt angekommen. »Also liebes, möchtest du erst frühstücken oder erst Geschenke?«, fragte Frau Alhlers. »Hmm, beides gleichzeitig.«, Sophie grinste. Nachdem Sophie sich angezogen hatte hechtete sie die Treppe hinunter. Unten wartete schon ihr Vater, ein stämmiger Mann anfang Vierzig mit kurzen braunen Haaren und einem etwas rundlichem Gesicht. »Guten Morgen Prinzessin, alles gute zum Geburtstag.«, polterte er. »Paps«, Sophie sprang ihm sofort in die Arme. »Ich dachte, du bist noch in Paris. Wann bist du gekommen?« »Ich konnte doch nicht deinen großen Tag verpassen, deswegen bin ich gestern Abend noch losgeflogen und heut Morgen gekommen. Aber wie gehts dir denn so?« Sophie zuckte mit den Achseln, »Ganz gut, sind ja Ferien.« »Wenn ihr nicht gleich kommt wird das Frühstück kalt.«, rief Mrs. Ahlers aus der Küche. »Du hast dich erst für das Frühstück entschieden?«, fragte Sophie's Vater erstaunt. »Nein, Geschenke auspacken und dabei frühstücken.«, grinste Sophie und huschte in die Küche. Sophie setzte sich und nahm ein Brötchen. »Möchtest du etwas Rührei liebes?», fragte ihre Mutter und hielt ihr die Pfanne hin. Sophie nickte und nahm etwas. Ihr Vater kam herein, setzte sich mit an den Tisch und Trank seinen Kaffe. Sophie rutschte unruhig auf ihrem Stuhl hin und her. »Da ist ja jemand sehr unruhig, möchtest du etwa Geschenke?«, fragte ihr Vater. Sophie nickte. »Also gut.«, Er trank noch einen Schluck, stand dann betont langsam auf und ging dann zum Küchenschrank. »Mal sehn, was wir hier haben.«, sagte er und schaute hinein. »Sieht leer aus, ich fürchte dieses Jahr gibt es nichts.» »Dad.«, flehte Sophie. »Nagut«, sagte ihr Vater und trat zurück mit einem großem Geschenk in der Hand. »Hier hätten wir Nummer eins.« Es folgten drei weitere, die er alle vor Sophie auf den Tisch stellte. »Das große ist von uns, das kleine rote von Oma und Opa, das kleine gelbe von Oma Herta und das blaue ist von Onkel Albert«, versuchte ihre Mutter aber Sophie hörte garnicht zu und hatte sich schon an das größte Geschenk gemacht. »Eine neue Stereoanlage, danke Dad, danke Mum.«, Sophie drückte ihren beiden Eltern schnell einen Kuss auf die Wangen und machte sich an das nächste Geschenk, als es an der Tür klingelte. »Ich geh schon, wird der Postbote sein.«, sagte ihr Vater, stand auf und ging aus der Küche zur Haustür. Er öffnete die Tür und sah sich einem Mann in einem blauen Anzug mit gelber Krawatte gegenüber, seine Haare sahen etwas zerstrubbelt aus und er schien anfang Dreisig zu sein. »Guten Tag, sind sie Herr Frank Ahlers geboren am 16. Januar 1966, verheiratet mit Frau Helen Ahlers, geborene Mätzschke, geboren am 29. September 1962?«, fragte der Mann unvermittelt. »Äh, ja. Worum gehts bitte?«, antwortete Herr Ahlers etwas überrumpelt. »Und heißt ihre Tochter Sophie Ahlers geboren am 17. Mai 1995, und somit am heutigen tage elf Jahre alt geworden?«, fragte der Mann weiter. »Ja, aber nun hören sie mal. Was wollen sie eigentlich. Und wer sind sie?« »Oh, entschuldigen sie meine Manieren. Ich bin Emanuel Hersch, ich komme vom Ministerium für Zauberei. Und ich bin hier um mit ihnen und ihrer Frau über die schulische Laufbahn ihrer Tochter zu reden, aber das stand ja alles in den Brief den sie erhalten haben.« »Zauberei? Ich bitte sie. Und in welchen Brief soll was gestanden haben?« »Der Brief, der an alle Eltern junger muggelstämiger Zauberer und Hexen geht um ihnen zu erklären, warum ihre Kinder so außergewöhnlich sind. Dann haben sie den Brief also nicht erhalten, seltsam. Aber ich kann ihnen das auch alles drinnen erklären.« Herr Ahlers sah ihn ungläubig und verwirrt an. »Ich höre hier immer nur etwas von Zauberern, Hexen und muggelstämig, sie erwarten doch nicht, dass ich ihnen glaube sie könnten Zaubern, oder?« »Ja, ich verstehe, das muss sehr verwirrend für sie sein.«, der Mann griff in seine Jacke und zog einen kleinen Stock heraus.»Wenn sie gestatten werde ich sie kurz überzeugen.«, er wartete ab bis Sophie's Vater kurz genickt hatte, richtete ihn auf einen kleinen Stein am Boden und schwang dann den Stock. »Wingardium Leviosa«, Der Stein hob sich langsam vom Boden und schwebte gut einen halben Meter über den Boden. »Wie haben sie …, Wie machen sie das?«, fragte Herr Ahlers und fuhr mit seiner Hand immer wieder durch die Luft zwischen dem Stein und den Stock. »Oh, nur ein einfacher Zauber, den ihre Tochter im ersten Schuljahr lernt. Ich hoffe ich habe sie überzeugt, darf ich nun hereinkommen?« Sophie's Vater nickte, trat einen Schritt zurück und wies ihm den Weg zur Küche, dann sah er sich draussen noch einmal um. Der Stein lag wieder auf dem Boden und weit und breit war niemand zu sehen, er schloß die Tür und folgte dem Zauberer in die Küche. »Schau mal Papa, ein Sparkonto von Oma und Opa«, sagte Sophie und wedelte mit einem kleinem Heft in der Luft umher. Sie schien von dem unbekannten Mann, der in der Küche stand nicht einmal Notiz zu nehmen. »Frank?«, fragte ihre Mutter, »Wer ist das?« »Das ist Herr Hersch, er ist hier um mit uns über Sophie's Schule zu reden.« »Oh, sie sind vom Gymnasium Osterholz?« »Nein, tut mir leid, ich bin vom Ministerium für Zauberei. Hätten sie einen Platz, wo wir in ruhe reden könnten?«, antwortete der Zauberer. »Alles in Ordnung, Schatz.«, versuchte Herr Ahlers seine Frau sofort zu beruhigen. »Das hat alles seine richtigkeit. Ich denke, wir sollten uns alle in die Stube setzen.«
»Also Herr Ahlers sie sagten, sie hätten keinen Brief vom Ministerium für Zauberei bekommen, habe ich sie richtig verstanden?«, fragte Herr Hersch und trank einen Schluck Heißer Schokolade die Frau Ahlers auf den Tisch gestellt hatte. »Zauberei?«, fragte Sophie neugierig, »So wie im Film?« »Sei nicht albern Sophie«, erwiederte ihre Mutter und sag debei ihren Mann an, »Es gibt keine Zauberei. Frank, sag du doch auch was. Wieso hast du diesen Verrückten überhaupt reingelassen.« »Schatz, ich weiss es klingt verrückt aber er hat gezaubert, ich habs gesehen.« »Wenn sie erlauben Frau Ahlers, werde ich es ihnen auch zeigen.«, warf der Zauberer ein, zog seinen Zauberstab und zielte damit auf seine leere Tasse und schwang ihn. Erst erzitterte die Tasse, dann wurde sie gräulich und begann Federn zu bekommen bis sie sich schließlich ganz in einen Spatz verwandelte und zwitschernd durch die Stube flog. »Wow«, brachte Sophie staunend heraus während ihre Mutter einem Ohnmachtsanfall nahe schien. »Ihrem Gesicht nach zu urteilen denke ich, ich habe sie überzeugt.«, Sophie's Mutter nickte zaghaft, »Also, ich denke dann kann ich nun mit dem Grund für meinen Besuch anfangen. Herr und Frau Ahlers, ich freue mich ihnen mitteilen zu dürfen, dass ihre Tochter Sophie ein magisch begabter Muggel ist, also eine Hexe.«, er lächelte sie beide an. »Muggel?«, fragte Herr Ahlers. »Hexe?«, fragte Frau Ahlers. Sophie schaute zwischen ihren Eltern und Herrn Hersch mit offenen Mund hin und her. »I… Ich bin eine Hexe?«, fragte sie schließlich. »Ja, so scheint es meine kleine. Und um ihre Frage zu beantworten Herr Ahlers, Muggel nennen wir Magier nicht magische Menschen. Ich bin mir sicher sie haben noch mehr Fragen, immer raus damit, um die zu beantworten bin ich hier.« Sophie's Vater erholte sich am schnellsten von dem Schrecken, »Sie haben recht, ich habe einige Fragen: Wie kommen sie darauf, dass Sophie eine Hexe ist? Warum haben wir sonst noch nie etwas von Zauberern gehört? Und was passiert jetzt mit Sophie?« Herr Hersch lächelte nachsichtig, »Es gibt Möglichkeiten magische Kinder aufzuspüren, so sind wir auf Sophie gestoßen. Warum sie noch nie etwas von Zauberern gehört haben müsste auf der Hand liegen, wir ziehen es vor im Hintergrund zu bleiben. Sie können sich sicher vorstellen, was passieren würde wenn die Öffentlichkeit von uns erfährt. Denken sie nur an die frühen Hexenvervolgungen.«, Helen Ahlers sah ängstlich zu Sophie herüber. »Aber keine Angst, wir wissen sowas zu verhindern. Und was Sophie angeht haben sie nun zwei Möglichkeiten. Zum einen könnten wir Sophie beibringen, wie sie ihre magischen Kräfte unter Kontrolle hält, damit sie nicht bei Aufregung oder ähnlichem aus ihr ausbricht. Oder aber, und das würden wir bevorzugen, sie können sie auf eine Schule für Hexen und Zauberer schicken. Dort würde sie die Zauberei lernen und so zu einem Mitglied der magischen Gesellschaft heranwachsen.« »Nehmen wir einmal an, wir würden uns entscheiden sie auf so eine Schule zu schicken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sehr viele davon gibt. Wie groß wäre unsere Auswahl?«, fragte Herr Ahlers. »Leider gibt es nur eine Handvoll Schulen, in Deutschland hätten wir da Die Nettesheim Universität, ausserdem noch einige kleinere Privatschulen. Sie könnten ihre Tochter natürlich auch ins Ausland schicken, Hogwarts in Großbritannien, die Beauxbatons-Akademie in Frankreich und auch das Durmstrang-Institut in Nord-Ost-Europa gehören zu den renomiertesten europäischen Schulen für magischbegabte. Durmstrang kommt für Sophie leider nicht in frage, da dort keine muggelstämmigen aufgenommen werden.« »Warum nehmen sie keine muggelstämmigen? Ist Sophie dadurch irgendwie benachteiligt?«, fragte Sophie's Mutter besorgt. »Aber nein. Muggelstämmige sind in keiner weise schlechter als reinblütige Zauberer. Es gibt einige bedeutende Magier in unserer Geschichte, deren Eltern beide Muggel waren. Der Schulleiter von Durmstrang ist nur etwas traditionsbewusster.« »Sie meinen, er ist ein verkalkter Rassist.«, warf Frank Ahlers ein. »Aber nein Herr Ahlers. Sie müssen verstehen, dass es früher nicht üblich war muggelstämmige zu Zauberer auszubilden. Genauso wie es bei ihnen früher nicht erlaubt war, dass Frauen einer Arbeit nachgingen. Es mag einige Leute geben, bei denen diese Vorstellung noch im Kopf herumschwirrt aber deswegen ist man doch noch kein Rassist, nicht wahr.«, versuchte der Zauberer ihn zu beschwichtigen. »Das will ich hoffen«, entgegnete Herr Ahlers, »erzählen sie mir etwas von dieser Nettesheim Universität. Ich denke nicht daran unsere kleine Sophie irgendwo ins Ausland zu schicken.« »Aber natürlich Herr Ahlers. Die Nettesheim Universität wurde nach Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim benannt, einem der größten deutschen Zauberer. Sie liegt auf einer Insel im Bodensee, nicht weit von Lindau entfernt. Sie wurde so verzaubert, dass Muggel sie nicht sehen können damit die Schüler dort in Ruhe lernen können. Die Schule selbst besteht aus einem altem Kloster in dem der Unterricht stattfindet und zwei großen Gutshäusern in denen die Schüller wohnen, Mädchen und Jungen getrennt versteht sich. Ich habe ihnen auch einen Prospekt mitgebracht, den sie sich gerne ansehen können, aber bis zum 3. Juni müssten sie sich entscheiden was sie mit Sophie machen werden.« Herr Hersch zog einen kleinen Prospekt aus einer Innentasche seiner Jacke und übergab sie Herrn Ahlers, dann sah er auf die Uhr. »Oh, schon so spät. Ich fürchte ich muss weiter. Auf der Rückseite des Prospektes steht, wie sie mich erreichen können. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag und dir Sophie einen schönen Geburtstag.« Er stand auf und ging zusammen mit Herrn Ahlers zur Tür. Sophie schnappte sich den Prospekt und fing an darin herum zu blättern. »Mama, Mama. Die Leute auf den Bildern bewegen sich.«, rief sie aufgeregt. Ihre Mutter lächelte sie müde an.
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